Stellungnahme zum neuen Werteunterricht in Berlin
In Berlin wird ab dem Schuljahr 2006/2007 das Fach Ethik ab der Sekundarstufe I als Pflichtfach eingeführt. Ich unterstütze diese Entscheidung.
Ich habe auf dem Landesparteitage der Berliner SPD für die Einrichtung des Faches Lebenskunde, Ethik und Religionslehre gestimmt. Zu dieser Entscheidung ist es gekommen, weil wir in der Vergangenheit vielfach feststellen mussten, dass in diesen Fachrichtungen bei vielen Schülerinnen und Schülern ein bestürzender Mangel an Wissen und Kompetenz besteht. Diesem soll durch das neue Fach entgegen gewirkt werden. Die Regelung trägt darüber hinaus auch dem Umstand Rechnung, dass es in unserer Stadt eine große Zahl konfessionell ungebundener Kinder gibt, die keinen Religionsunterricht besuchen.
Wir haben intensiv darüber diskutiert, ob der Werteunterricht als Pflichtfach für alle oder als Wahlpflichtfach eingerichtet werden soll. Ein wichtiges Argument für die Einrichtung als Pflichtfach ist, dass der Unterricht im Wesentlichen von seiner Pluralität leben soll. Ich sehe es als große Chance, dass im Unterricht gemeinsam mit Kindern unterschiedlicher Konfessionen ethische und lebenskundliche Themen erarbeitet werden können. Auch zum Verständnis der jeweils anderen Religionen trägt es aus meiner Sicht bei, wenn alle und nicht nur die konfessionslosen Kinder sich mit den verschiedenen Religionslehren auseinander setzen. Gerade vor dem Hintergrund der Integrationsdebatten der vergangenen Zeit ist es meiner Meinung nach wichtig, dass es in der Schule Platz für Wert- und Glaubensdebatten über die Religionsgrenzen hinweg gibt. Dies lässt sich aber nur gewährleisten, wenn die Kinder nicht vom gemeinsamen Werteunterricht abgemeldet werden können.
Unerlässlich dabei ist, dass die Kirchen als zentrale Partner an der Gestaltung des Werteunterrichts mitwirken. Damit wird Ihnen auch eine Plattform geboten, für den zusätzlich stattfindenden Religionsunterricht zu werben. Dieser darf aber nicht auf die Randstunden verdrängt werden, sondern muss zu attraktiven Bedingungen angeboten werden. Eine Verschlechterung des Status quo halte ich für nicht akzeptabel. Deshalb begrüße ich es ausdrücklich, dass der freiwillige Religionsunterricht in seiner jetzigen Form erhalten bleibt und auch weiter mit knapp 50 Millionen Euro vom Land Berlin gefördert wird.
Bei der Ausgestaltung des Faches Ethik werden wir in den kommenden Wochen und Monaten sicher noch zahlreiche Diskussionen führen. Ich werde dabei immer für die dargestellten Positionen werben.
Gerne stehe ich auch für ein persönliches Gespräch oder eine Diskussion zu diesem Thema z. B. in Ihrer Gemeinde zur Verfügung.


