"Vieles unterliegt der Willkür"

Thomas, 32 aus Schöneberg berichtet über seine Erfahrungen mit dem Jobcenter.

Ich habe zahlreiche Erfahrungen mit dem Jobcenter sammeln dürfen, sowohl eigene wie auch im allernächsten Umfeld. Dabei handelte es sich zumeist um junge Menschen mit einem zwar individuellen Lebenslauf, jedoch weder ideenlos und arbeitsscheu, noch unmotiviert. Oft war auch ein künstlerisches Interessengelage vorhanden, was eine Biographie nicht so ganz schematisch gestalten kann.

Ich habe auch den Eindruck, dass es bei den Menschen unter 25 Jahren mehr Vermittlungsmöglichkeiten gibt, als bei den über 25jährigen. Während die unter 25jährigen eine Erstausbildung finanziert, unterstützt und begleitet bekommen, ist bei den über 25jährigen der Ofen aus. Wer bis dahin keine Ausbildung gemacht oder aus persönlichen o.ä. Gründen keine abgeschlossen hat, für den gibt es keine Möglichkeiten. Egal ob Fachabitur, motiviert und fit oder wild entschlossen, hier hört die Unterstützung auf.

Man bekommt noch gesagt, das man bei jeder Aufnahme einer Ausbildung oder Studiums keine Unterstützung bekommt, das war es. Ich habe ausdrücklich mehrmals und manchmal ohne Nachfrage gesagt bekommen, das ich niemals und auf keinen Fall eine ganze Ausbildung unterstützt bekomme. Bei einer solchen Nachfrage wurde noch empört gesagt, wie man überhaupt auf so eine Frage kommen kann. Und das ist ein Zustand den ich rätselhaft finde. Es gibt eine Mehrzahl an jungen Leute die eben aus verschiedensten Gründen und bestimmt nicht aus Faulheit evtl. sogar aus Krankheitsgründen keine Ausbildung hat, sogar mit 30 Jahren nicht.

Nun ist aber auch interessant das es hierbei auf den Arbeitsvermittler ankommen soll. Ich weiß von einigen Leuten die, nicht in Tempelhof-Schöneberg, eine Erstausbildung oder Umschulung finanziert bekommen haben! Dazu gehören z.B. Heilerziehungspfleger. Mittlerweile weiss ich auch, das man einfach so einen Antrag stellen muß und durchfechten. Nur dieses muß man selbst herausfinden. Und es kann wohl lange dauern. Obwohl selbst eine Maßnahme vom Jobcenter zur möglichen Selbstständigkeit zu dem schriftlichen Urteil kam, das in meinem Fall eine Ausbildung im sozialen Bereich wünschens- und förderungswert ist, kam jeder Sachbearbeiter zu einem anderen Schluß. Bei Ansage das es bei mir darum ginge, wurde ich sogar einmal ein halbes Jahr gar nicht mehr eingeladen, noch mit mir gesprochen. Ich habe selbst dringendst um Termin gebeten, wo mir nochmal wirklich vehement gesagt wurde: Niemals! Niemals wird mir eine Ausbildung finanziert o.ä.

Aber nie wurde eine andere Idee dargestellt. Und da passierte das zweite Schlimme. einer sagte zu mir wortwörtlich: Na ja wenn ich mir das bei Ihnen angucke, das haben Sie abgebrochen....na ja irgendwann muss man eben einsehen das der Zug abgefahren ist! Mit 30! Für immer!?

Zum Glück verfüge ich über Selbstbewußtsein und bin motiviert, habe Ziele und sehe das nun ganz anders. Mit 30 Jahren soll also in Deutschland der Zug abgefahren sein. So kann man das also sehen. Nun ist es tatsächlich seltener geworden, das jemand mit 30 Jahren noch studieren will, eine Ausbildung machen o.ä. Aber es sollte doch zur nicht ganz undenkbaren Möglichkeit gehören.

Also hier zieht sich der Staat sozusagen zurück, was eine aktive Unterstützung für ältere angeht. Komisch ist das es der Willkür der Vermittler unterliegt. Ausgewiesenermaßen gibt es manch einen der die komplette Unterstützung auch zur Ausbildung als Heilerziehungspfleger ohne Probleme unetrstützt bekommen hat- vom Jobcenter! Mit über 30 Jahren!

Ich glaube das ist mein Hauptvorwurf den ich habe. Vieles unterliegt der Willkür, es passieren wirklich Unfreundlichkeiten, Herabsetzungen und Respektlosigkeiten. Das Gefühl der Sündenbock vieler Menschen zu sein begleitet den Weg im Jobcenter. Man fühlt sichn nicht gut beraten. Seltsamerweise gerade als motivierter, vielleicht schon studierter, hat man den Eindruck hier hören die Kompetenzen auf. Damit kann man nichts anfangen. Es wird vieles nach Schema F bearbeitet, ich glaube die Angestellten des Jobcenetrs stehen selbst unter einem hohen Druck- es ist schrecklich. Man muss sich nur mal vorstellen so einen Satz wie: Na ja irgendwann muss man einsehen das der Zug abgefahren ist! wird zu jemanden gesagt, der wenig Selbstbewußtsein hat oder dem es nicht gut geht! Hier muss wirklich an dem Weltbild der Jobcenterangestellten gearbeitet werden.

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