Neue Einzelhandelsflächen in Schöneberg

Möbelhaus und Discounter eröffnen neue Märkte

Anfang September wurden in Schöneberg an mehreren Stellen große Einzelhandelsflächen in Betrieb genommen. Am Sachsendamm eröffnete ein großes Möbelhaus, auf dem Gelände des ehemaligen Prälaten eröffnete ein Discounter einen großen Markt und direkt an der ehemaligen Bezirksgrenze zu Tempelhof wurde von dem gleichen Unternehmen ein weiterer Markt in Betrieb genommen.

Mit diesen Eröffnungen setzt sich ein Prozess fort, der in den letzten Jahren in ganz Berlin zu einer tief greifenden Veränderung der Einzelhandelsstrukturen geführt hat. Immer mehr Verkaufsfläche entsteht in Shopping-Malls, großen Möbelhäusern und neu errichteten Discounter. Beispielhaft sind die Entwicklungen rund um das Rathaus Steglitz und am Alexanderplatz.

Durch die Errichtung von großflächigen Einzelhandelszentren wird nicht selten die Kaufkraft aus den traditionellen Einkaufsstraßen, wie der Hauptstraße in Schöneberg abgezogen. In der Folge geraten die dortigen Einzelhändler unter Druck und müssen nicht selten ihre Geschäfte aufgeben. Dies führt zu einer Verödung von Einkaufsstraßen in vielen Kiezen. Gleichzeitig wird das ehedem vielseitige und lokale Einkaufsangebot in Berlin homogenisiert, da sich oft nur die großen Ketten und Massenanbieter in dem Preiskampf behaupten können.

Der klassische Tante-Emma-Laden ist mittlerweile ebenso fast vollständig aus den Einkaufsstraßen verschwunden wie kleiner spezialisierte Geschäfte des täglichen Bedarfs . Verdrängt wurden die kleinen -Geschäfte von großen Discountern und Shopping-Malls, mit deren Angebots- aber vor allem auch Preisstruktur kleinere Unternehmen kaum konkurrieren können. Allein in Schöneberg gab es schon vor den Eröffnungen in diesen Monat im Umkreis von 1,5 km um den Kaiser-Wilhelm-Platz zehn große Discount-Märkte.

Trotz der nachteiligen Effekte von Discountern auf die Vitalität der Einkaufsstraßen, die wohnraumnahe Versorgung und langfristig die Soziastruktur der Kieze gibt es nach aktuellem Planungsrecht keine Möglichkeit den Bau weiterer Discounter zu verhindern. Dieser Zustand muss dringend politisch diskutiert werden und es sollte geprüft werden, ob es nicht Möglichkeiten gibt, die weitere Entwicklung der Einkaufsstrukturen politisch aktiver zu begleiten und unter Umständen den Bau eines Marktes auch unterbinden zu können. Schon heute gibt es in Berlin ein erhebliches Überangebot an Einzelhandelsflächen, das in einem gravierenden Missverhältnis zur Kaufkraftentwicklung in Berlin steht.

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