Vandalismus auf dem S-Bahnhof Julius-Leber-Brücke
Schöneberger schütteln den Kopf über Zerstörungen und Graffiti am neu eröffneten Bahnhof.
Nicht einmal zwei Wochen nach der feierlichen Eröffnung wurde in der letzten Nacht erheblicher Schaden am Bahnhof Julius-Leber-Brücke angerichtet. Unbekannte zerstörten auf dem östlichen Bahnsteig mehrere Scheiben von Wetterhäuschen und Glasschaukästen und richteten erheblichen Sachschaden an. Darüber hinaus wurden Graffitis angebracht, die auf eine politische Motivation der Tat schließen lassen. Unter anderem ist dort zu lesen, dass Schöneberg auch ohne Investor schön sei, womit auf die Pläne rund um den Gasometer angespielt wird. Mit verschiedenen anderen Graffitis wird direkt oder indirekt Entwicklung des Kiezes kritisiert. Schon vor der Eröffnung des Bahnhofs war an Häuserwände der Umgebung die Mahnung "Neue Fassaden, neuer Bahnhof, neue Mieten? Achtung Kiez" gesprüht worden.
Mit der Zerstörungsorgie der letzten Nacht, die bei vielen Schönebergern auf absolutes Unverständnis stößt, wurde der Auseinandersetzung um die weitere Entwicklung der Roten Insel ein unschönes Kapitel hinzugefügt. Auch wenn sich viele Menschen auf der Roten Insel Gedanken und Sorgen machen, in welche Richtung sich der Kiez entwickelt, so findet die Aktion nur wenig Zustimmung. Zu lange hatten die Schöneberger auf den S-Bahnhof gewartet und sich zu sehr über die Eröffnung gefreut, als das man die blinde Zerstörung als produktiven Beitrag zu einer berechtigten Diskussion empfinden könnte.
Unabhängig von den Vorkommnissen der letzten Nacht wird die Diskussion darüber, wie man einer sozialen Entmischung des Kiezes durch steigende Mieten entgegenwirken kann, weitergehen. Den Anwohnern ist klar, dass Maßnahmen, die die Attraktivität des Kiezes steigern auch immer zu eher unerwünschten Effekten wie einer Erhöhung der Mieten führen. Dieser Widerspruch ist nur schwer auflösbar, sollte deshalb aber nicht unter den Teppich gekehrt werden, sondern sachlich und vor allem mit Worten diskutiert werden


