Kein Laufhaus an der Kurfürstenstraße

Bezirksamt versagt die Baugenehmigung für das geplante Großbordell im ehemaligen Wegert.Haus.

Prostitution gehört für die Anwohner der Kurfürstenstraße im Schöneberger Norden seit Jahrzehnten zu einem alltäglichen Phänomen in ihrem unmittelbaren Wohnumfeld. Über die Jahre hinweg hatte sich zwischen allen Beteiligten ein weitgehend respektvolles und akzeptables Miteinander herausgebildet. Dieses Gleichgewicht wurde in den letzten Monaten erheblich gestört. Ursächlich hierfür war eine starke Zunahme der aggressiven Straßenprostitution. Immer mehr - vor allem auch osteuropäische Frauen - boten Ihre Dienste in dem Kiez an und lieferten sich einen, zum Teil mit Gewalt ausgetragenen, Verdrängungswettbewerb mit den langjährig ansässigen Prostituierten.

In diese ohnehin schwierige Situation platzte die Ankündigung eines Investors im ehemaligen Wegert-Haus an der Kurfürstenstraße ein Großbordell einzurichten wie eine Bombe. Für viele Anwohner brachten diese Pläne das Fass zum überlaufen und heftiger Protest wurde artikuliert und Unterschriften gegen das Bordell gesammelt. Diesem Engagement war jetzt Erfolg beschieden. Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg untersagte in der letzten Woche dem Investor die Einrichtung eines Großbordells mit 50 Zimmern auf 4 Etagen im ehemaligen Wegert-Haus. Mit Hinweis auf die unzumutbaren Störungen für die Anwohner sowie die in der Umgebung gelegenen Schulen und Kitas, wurde der Bauantrag abgelehnt. Allerdings kündigte der Investor bereits an, gegen diesen Bescheid Widerspruch einlegen zu wollen.

Auch zur Eindämmung der Straßenprostitution will das Bezirksamt tätig werden. Unter anderem soll durch die Einrichtung von Einbahnstraßen der Durchgangs- und "Suchverkehr" eingeschränkt werden. Darüber hinaus sollen alle ordnungsrechtlichen Möglichkeiten genutzt werden, um den Vollzug von Geschlechtsverkehr auf der Straße zu unterbinden.

Insgesamt ist die Entscheidung des Bezirksamts zu begrüßen. Es sollte aber nicht vergessen werden, dass durch die Verhinderung des Laufhauses die Problematik des Straßenstrichs nicht per se beseitigt wird. Die Politik ist weiterhin gefragt, die Situation für die Anwohnerinnen und Anwohner im Schöneberger Norden zu verbessern und die Straßenprostitution wirksam einzudämmen. Den Ankündigungen der letzten Woche müssen auf jeden Fall Taten folgen.

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